Schulische Suchtprävention heute ...

Grundsätze moderner, wissenschaftlich fundierter schulischer Suchtprävention

(Quelle: „Qualitätskriterien schulischer Suchtprävention“. Institut für Suchtprävention, Wien 2006)

Moderne, wissenschaftlich fundierte Suchtvorbeugung orientiert sich an folgenden Standards:

Buch aufgeschlagen (Quelle: photocase.com  | user: kaddel)

  • Die vorrangigen Zielgruppen sind: MultiplikatorInnen (z.B. Lehrkräfte), Eltern und Peers
  • Die Vorbeugung bezieht sich auf alle Suchtformen
  • In die Inhalte werden Risiko- und Schutzfaktoren mit einbezogen, sowohl auf Ebene der Person als auch auf schulischer Ebene (Welche krank machenden Faktoren gibt es an der Schule bzw. was fördert die Gesundheit?)
  • Suchtprävention gibt angemessene Information, korrigiert Mythen und fehlerhafte Annahmen, fördert Lebenskompetenzen und Widerstandsfähigkeiten und bezieht strukturelle Faktoren mit ein
  • Präventionsmaßnahmen kommen frühzeitig und wiederholt zum Einsatz
  • Die Umsetzung erfolgt interaktiv, multimodal und gemeinsam mit den MultiplikatorInnen

Häufige Fehler

Füsse Schule Gruppe (Quelle: photocase.com | user: Bumi)

Gerade Suchtprävention stellt viele PädagogInnen vor ein grundlegendes Problem: Die Nachteile von Suchtmittelkonsum sollen dargestellt werden, gleichzeitig werden diese aber von den (jugendlichen) KonsumentInnen keineswegs als solche erlebt. Auch besteht häufig von Seiten der Eltern und LehrerInnen Unsicherheit bezüglich des Themas, zumal der eigene Umgang mit Suchtmitteln, etwa mit Zigaretten oder Alkohol, von den Jugendlichen kritisch hinterfragt wird. Daher besteht oft der begründete Wunsch, das Thema durch ExpertInnen in Form eines Vortrags in der Schulklasse zu illegalen Substanzen abdecken zu lassen. Oft wünschen sich Lehrkräfte auch abschreckende Beispiele, welche die Jugendlichen vom Substanzkonsum abhalten sollen. Diese Herangehensweise birgt jedoch viele Nachteile:

  • ein einmaliger Vortrag oder Workshop erzielt keine nachhaltige Wirkung bei den Jugendlichen. Sie können maximal informiert werden, eine langfristige Verhaltensänderung ist jedoch sehr unwahrscheinlich.
  • Die Konzentration auf illegalisierte Substanzen entspricht nicht der Realität in Bezug auf Häufigkeiten von Suchterkrankungen. Als Beispiel sei hier genannt: In Österreich verzeichnen wir derzeit rund 31.000 Menschen mit einem problematischen Opiatkonsum, im Vergleich dazu 330.000 Alkoholkranke oder 200.000 Menschen mit Essstörungen (Quelle: Fachstelle für Suchtvorbeugung, Koordination und Beratung Niederösterreich, 2004).
  • Im Rahmen einer einmaligen Veranstaltung sprechen die externen ExpertInnen ein sensibles Thema an und werfen bei den Jugendlichen viele Fragen auf, verschwinden aber wieder als deren Ansprechpersonen. Mit weiterführenden Fragen bleiben die SchülerInnen oft allein.
  • Sucht ist immer mit emotionalem Erleben verbunden. Die reine Informationsweitergabe reicht nicht aus, um den Umgang mit Spannungen und Konflikten zu verbessern, da Informationen in anderen Gehirnarealen verarbeitet werden als Gefühle. Als Beispiel seien hier die Informationen auf Zigarettenpackungen gegeben, die RaucherInnen in den wenigsten Fällen davon abhalten, zur Zigarette zu greifen. Bei der reinen Informationsweitergabe besteht kein direkter Bezug zur aktuellen Lebenssituation der Jugendlichen. Präventiv wirkt Information in jenen Fällen, in denen sich Jugendliche in der Phase des Probierkonsums befinden oder mit dem Thema noch wenig konfrontiert waren.
  • Studien belegen, dass Abschreckung kein geeignetes Mittel zur Suchtprävention ist. Lange Zeit war sie das Mittel der Wahl. Dazu wurden Personen mit Konsumerfahrung eingeladen oder Filme wie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gezeigt. Gerade aber durch die Unterschiede in der Persönlichkeit und der Persönlichkeitsentwicklung können abschreckende Beispiele Neugierde und manchmal sogar Bewunderung für einen unkonventionellen Lebensstil wecken, eben weil Suchtmittelkonsum oft (noch) nicht zur Lebensrealität der Jugendlichen gehört.
Es kann also festgehalten werden, dass Aufklärung und Information zu Substanzen und deren Wirkungsweise ein wesentlicher Bestandteil der Suchtprävention sind. Die Information sollte jedoch nicht losgelöst von persönlichkeitsstärkenden Methoden eingesetzt werden. Abschreckung ist in jedem Fall aus fachlicher Sicht abzulehnen.