News: Neue Forderung nach "Konsumräumen"

Laut Expertenbericht würde sich die Zahl der Drogentoten dadurch drastisch reduzieren.

Quelle: diepresse.com
AutorIn: Webmaster am: 13-02-2006 (15:31:07)
Kategorie(n): Gesellschaftspolitisches

VON ANDREAS WETZ (Die Presse) 08.02.2006

Wien. Die Diskussion um die Errichtung von Drogen-Konsumräumen in Wien ist wieder entflammt. Nach der Kritik an der Schutzzone Karlsplatz durch eine Studie des Fonds Soziales Wien ("Die Presse" berichtete) nahmen das Thema am Dienstag Ärzte, Sozialarbeiter und Politiker auf, die unisono die Eröffnung solcher Einrichtungen forderten. Die Stadt Wien lehnt dies jedoch weiterhin strikt ab.

"Objektiv wäre es empfehlenswert, Drogen-Konsumräume zu eröffnen", sagt Alfred Springer, Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Suchtforschung. Eine von ihm erstellte Expertise (siehe Webtipp) aus dem Jahr 2003 zeigt, dass in Städten, wo Suchtkranke in sogenannten "Fixer-Stuben" ihre Drogen unter kontrollierten Bedingungen konsumieren können, die Todesrate drastisch sinkt. Positive Beispiele dafür seien Hannover, Hamburg oder Frankfurt am Main. Laut Gesundheitsministerium starben 2003 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) in Wien 92 Personen an Drogenkonsum.

Logische Argumente gegen Konsumräume gäbe es laut Springer nicht. "Die Debatte ist sehr von Ideologien geprägt."

An Spekulationen darüber, wann Wien seine ablehnende Haltung gegenüber Konsumräumen aufgeben könnte, will sich Springer nicht beteiligen. "Leider braucht es manchmal Katastrophen - etwa einen Anstieg der Drogentoten - damit sich etwas ändert."

Uwe Hincziza, Leiter des Streetwork-Stützpunktes am Karlsplatz, setzt sich seit Jahren für die Installierung von Konsumräumen ein. Das Argument der Kritiker, Konsumräume würden Drogenkranke aus der weiteren Umgebung anziehen, lässt er nicht gelten. "Dazu wäre es aber wichtig, gleich mehrere solcher Einrichtungen über das gesamte Stadtgebiet zu verteilen." Die Konzepte dazu lägen bereits vor.

Vorsichtiger formulierte Grünen-Gemeinderätin Heidi Cammerlander ihre Forderung nach Konsumräumen. "Zuerst braucht es Aufenthaltsräume, um den Suchtkranken einen Ort für ihr gesellschaftliches Leben zu schaffen."

Laut Cammerlander wollten die Grünen das Projekt Konsumräume ursprünglich auch in das 30 Punkte umfassende Arbeitsübereinkommen mit der regierenden SPÖ aufnehmen, aber: "Dieser Vorschlag starb leider als erstes."