Individuelle Suchthilfe

15 Jahre Wassermanngasse!

Die IS Wassermanngasse wurde vor 15 Jahren als dritter Standort des Verein Dialog gegründet. Im Mai 1999 fand die offizielle Eröffnung statt – vorangegangen waren ihr heftige Diskussionen, die angesichts der Erfolgsgeschichte des Standorts heute längst vergessen sind.

Mit der Installierung eines neuen Standorts kam der Dialog einem Wunsch der Stadt Wien nach einer Suchtberatungsstelle jenseits der Donau nach. Doch nicht alle waren mit dieser Entscheidung glücklich: AnrainerInnen liefen Sturm, BürgerInnenstammtische wurden organisiert, in der Bezirkszeitung erschienen Artikel, in denen Horrorvisionen als Tatsachen verkauft wurden. Es ist dem Engagement des damaligen Bezirksvorstehers Ing. Heinz Lehner, des Stadtrates für Gesundheit Dr. Sepp Rieder, des Drogenkoordinators Peter Hacker und der Überzeugungsarbeit des Vorstandes und der Geschäftsführung des Dialog zu verdanken, dass Bedenken zerstreut wurden und mit der Eröffnung Ruhe einkehrte. Im Gegenteil: Gerade in der Wassermanngasse ist der Kontakt mit den AnrainerInnen intensiv, aber im positiven Sinn. „Ich werde einfach auf der Straße auf die unterschiedlichsten Themen angesprochen,“ berichtet die aktuelle Leiterin Andrea Bugnar. „Wir werden längst als Teil des Grätzels wahrgenommen und akzeptiert.“

Doch nicht nur der Standort in der Wassermanngasse – eine ehemalige Bankfiliale – stand KlientInnen offen, sondern auch zwei Außenstellen, eine Am Spitz und eine in Hirschstetten, die jedoch später aufgegeben wurden. Dafür jedoch wurde der Standort, lange als BBZ bekannt und die erste Ambulanz des Dialog, von KlientInnen umso intensiver genutzt. Bestand das Team zu Beginn aus zwei ÄrztInnen und fünf psychosozialen Mitgliedern, so sind es inzwischen sechs MedizinerInnen und zehn Psychosoziale. Die Verlängerung der U1 sorgte zusätzlich für eine leichtere Erreichbarkeit des Standorts. Diese Vergrößerung des Teams und der KlientInnenzahl sorgte immer wieder für beengte Verhältnisse, denen kurzfristig mit einem Container im Innenhof beigekommen wurde. Über eine Lösung des Raumproblems ist der Dialog seit Jahren mit der Stadt Wien in Verhandlung. 

Inhaltlich hat sich die Wassermanngasse schon früh mit der Behandlung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen auseinandergesetzt. Auch (Gruppen-)Angebote für Angehörige bildeten von Beginn an einen Schwerpunkt. Das offene Angebot „Beyond the Line“ ist das erste, das sich explizit an KokainkonsumentInnen wendet und deren spezielle Bedürfnisse berücksichtigt werden. Seit dem Vorjahr ermöglicht zudem ein offener Betrieb mehr Flexibilität in der Betreuung von KlientInnen.

Mit der IS Wassermanngasse, die jetzt von Andrea Bugnar (Hausleitung) und Peter Skriboth (ärztlicher Leiter) in die Zukunft geführt wird, hat der Verein Dialog nicht nur einem Wunsch von Außen entsprochen, sondern auch für eine Anlaufstelle nahe bei den KlientInnen gesorgt. Gleichzeitig wurde damit die Wachstumsphase des Vereins eingeläutet. In jedem Fall hat sich der Standort bewährt und ist aus der Wiener Suchthilfelandschaft nicht mehr wegzudenken.

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