Individuelle Suchthilfe
15. Apr. 2022

Internationale Studie zu hochriskantem Konsum bei Jugendlichen

Junge sitz auf Stufe vor Skateboard

Die Integrative Suchtberatung Gudrunstraße hat bei der internationalen Studie zu hochriskantem Substanzkonsum von Jugendlichen mitgewirkt: "International Consensus on the Prevention,
Treatment, and Management of High-Risk Substance Use and Overdose among Youth". 31 Expert_innen aus 10 Ländern weltweit wurden befragt;  Dr. Gerhard Rechberger war einer davon.

Die Studie ist in englischer Sprache; die Ergebnisse können hier nachgelesen werden (siehe pdf unten).

Im Folgenden, eine kurze Zusammenfassung auf Deutsch:

Hintergrund und Ziele: Mehr denn je besteht heute eine offensichtliche Notwendigkeit, die Gesamtbelastung durch Krankheit und Risiko einer vorzeitigen Sterblichkeit, die mit der psychischen Gesundheit und Substanzgebrauchsstörungen bei jungen Menschen verbunden sind zu reduzieren. Allerdings ist der aktuelle Stand der Forschung und der evidenzbasierten klinischen Versorgung für den Konsum von Hochrisikosubstanzen bei Jugendlichen fragmentiert und spärlich. Das Ziel der Studie besteht darin, einen Konsens für die Prävention, Behandlung und das Management von hochriskantem Substanzkonsum und Überdosierung bei Jugendlichen (10 bis 24 Jahre) herzustellen.

Materialien und Methoden: Basierend auf der Kombination von wissenschaftlichen Erkenntnissen und klinischer Erfahrung einer Gruppe von 31 Expertinnen und Experten aus 10 Ländern wurde eine modifizierte Delphi-Technik verwendet.

Ein halbstrukturierter Fragebogen mit fünf Bereichen (klinische Risiken, Zielgruppen, Interventionsziele, Interventionsstrategien und Settings/Expertise) wurde an die Studienteilnehmer_innen verteilt. Basierend auf ihren Antworten wurden Aussagen entwickelt, die anschließend überarbeitet und durch drei Feedbackschleifen finalisiert wurden.

Ergebnisse: Unter den fünf Hauptbereichen erreichten 60 Aussagen inhaltliche Übereinstimmungen. Wichtig ist, dass sich die Experten und Expertinnen darin einig waren, dass Screenings in der Grundversorgung und anderen klinischen Einrichtungen für alle Jugendlichen empfohlen werden und dass die Ziele der Behandlung von Jugendlichen mit hochriskantem Substanzkonsum darin bestehen, Schäden und Sterblichkeit zu reduzieren und gleichzeitig die Belastbarkeit und gesunde Entwicklung zu fördern. Für alle Substanzgebrauchsstörungen sollten evidenzbasierte Interventionen verfügbar sein und entsprechend den Bedürfnissen und Präferenzen der Patient_innen eingesetzt werden. Die Zwangseinweisung war das einzige Thema, das keinen Konsens fand, hauptsächlich aufgrund seiner ethischen Implikationen und des daraus resultierenden Mangels an vergleichbaren Daten.

Schlussfolgerungen: Risikoreicher Substanzkonsum und Überdosierungen unter Jugendlichen sind zu einer großen Herausforderung geworden. Die Reaktion des Systems war unzureichend und muss grundlegend geändert werden. International erarbeitete Expertisen bieten einen ersten Schritt zur Verbesserung und Reform des Systems.

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