Individuelle Suchthilfe

Neue Normalität und alte Regeln

Jugendlicher mit Konsole

Jahrelang haben wir uns um einen maßvollen Umgang mit digitalen Medien bemüht. Wir haben unseren Kindern nur eine begrenzte Zeitspanne am Tablet erlaubt. Nur zwei Folgen der Lieblingsserie, nur drei Matches im Lieblingsspiel. Wir haben mit unseren Kindern gestritten, geweint, sie getröstet und ausgehalten, dass sie uns ein „Ich hasse dich, Mamaaaa!“ hinterhergebrüllt haben, wenn wir das Smartphone konfisziert haben. Eltern wollen immer das Beste für ihre Kinder, und das Beste war ja wohl eine beschränkte Medienzeit.

Und dann kam Corona. Plötzlich gelten die gut gelernten Regeln nicht mehr. Selbst Volksschulkinder müssen plötzlich am Laptop sitzen um im Internet Rechnungen zu üben oder durch richtig beantwortete Quizfragen über gelesene Bücher Punkte zu sammeln. Nach der schulischen Medienzeit sind wir froh, wenn unsere Kinder auch noch mit ihren Freunden und Freundinnen videotelefonieren, schließlich brauchen auch sie Kontakt zu Gleichaltrigen, und der ist bei gesperrten Spielplätzen und Schulen nur digital erlaubt. Wenn das Kind dann noch die Videokonferenz mit dem Opa, Opa und Urstrumpftanten hinter sich gebracht hat, möchte es auch noch Fernsehen. Um endlich selbst die eigene Arbeit fertig machen zu können sind wir geneigt, auch das zuzulassen. Viele Stunden später fragen wir uns: „Ist das jetzt plötzlich doch ok? Ist das gesund? Und wie wird das weitergehen, wenn wir alle wieder raus dürfen?“

Die Ausgangsbeschränkungen sind nun aufgehoben, die Schulen öffnen schrittweise wieder. Für uns alle beginnt die sogenannte „neue Normalität“. Werden wir einfach zu ursprünglichen Vereinbarungen zurückkehren können oder haben wir uns jetzt eine ganze Generation mit Entzugserscheinungen angezüchtet?

Kinder können sehr gut zwischen Regeln und Ausnahmen unterscheiden. Auch kleinste Kinder akzeptieren schon, dass bei unterschiedlichen Bezugspersonen auch unterschiedliche Regeln gelten können (und nutzen das manchmal auch schamlos aus…). Die meisten Kinder werden verstehen, dass mit der neuen Normalität und der Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen auch wieder die alten Regeln für die Medienzeit gelten. Sie genießen die Abwechslung, freuen sich auf das Spiel mit Gleichaltrigen und auf das Toben auf dem Spielplatz.
Es wird aber auch Kinder geben, die während des Lockdowns gemerkt haben, dass sich unangenehme Gefühlszustände beim Videospiel gut vergessen lassen. Kinder, die sich nur schwer damit abfinden können, dass sie jetzt wieder weniger Zeit vor den Bildschirmen bekommen. Kinder, die vielleicht mit Schlafproblemen, Konzentrationsstörungen und auffälligem Verhalten reagieren.

Wir empfehlen: fahren Sie die Medien schrittweise zurück. So wenig Sie während der Ausgangsbeschränkungen alles gleichzeitig schaffen mussten, müssen Sie jetzt sofort wieder alles „perfekt“ schaffen! Vermeiden Sie für den Anfang zum Beispiel das Spiel, das am meisten Konfliktpotenzial hat. Oder fahren sie von sechs auf drei Stunden zurück, nicht gleich auf eine halbe Stunde. Bieten Sie während der Umgewöhnungszeit interessante Alternativen an und beteiligen Sie sich aktiv an dem Prozess. Spielen Sie gemeinsam Brettspiele, kochen Sie gemeinsam, gehen Sie spazieren oder machen Sie eine Fantasiereise in den letzten schönen Urlaub. Begleiten Sie Ihr Kind in dieser Phase der gefühlten Entbehrung. Viele von uns sind froh, dass Sie jetzt wieder „raus“ dürfen – manche sehen eher die negativen Aspekte. Auch der Schritt zurück in die „neue Normalität“ braucht Geduld, Einfühlungsvermögen und Zeit.

Wir unterstützen Sie gerne mit kostenlosen Beratungen. Sie können uns schreiben spf@dialog-on.at, uns anrufen 01 – 205 552 – 500 und hoffentlich können Sie uns bald auch wieder in der Hegelgasse 8/13, 1010 Wien beim nächsten Elternabend besuchen!

Nika Schoof
 

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