Individuelle Suchthilfe

Und plötzlich war alles anders

Onlineteamsitzung der SPF

Anfang März 2020 hat uns in der Suchtprävention und Früherkennung vor allem eines beschäftigt: unsere vollen Terminkalender für die nächsten Monate. Neben den vielen Veranstaltungen in Schulen, Organisationen und Betrieben wurde gerade noch fleißig für die letzten Aufführungen unseres suchtpräventiven Performancetheaters „Die Dosis“ geprobt. Neue Durchgänge der Mutter-Kind-Gruppe und unserer Gruppe für Kinder aus suchtbelasteten Familien „der kleine Leuchtturm“ hatten gerade gestartet. Wir bereiteten uns auf die Frühlingsakademie vor und freuten uns über die vielen Anmeldungen für unseren Filmabend im Gartenbaukino.

Und dann plötzlich nichts mehr. Shutdown. Alle Veranstaltungen abgesagt, keine Frühlingsakademie, schon gar kein Kino mit vielen feiernden Menschen, keine Gruppen für die Kinder und Mütter, die diese Unterstützung gerade jetzt so dringend brauchen würden. Raus aus dem Büro, ohne zu wissen, wann man wiederkommt, und ab ins Homeoffice.

Innerhalb von wenigen Tagen stellten die Kolleg_innen in den Ambulanzen des Verein Dialog den kompletten Klient_innenbetrieb um, nichts war mehr wie in der Woche zuvor. Ein Ausnahmezustand, ein Kraftakt, der bewundernswert schnell und gut gelungen ist, damit unsere Klient_innen weiterhin gut versorgt und betreut werden.

In der Suchtprävention und Früherkennung fiel hingegen das Kerngeschäft weg. Doch auch hier hat sich das Team erstaunlich schnell umgestellt, wie viele andere Menschen in Österreich in diesen Tagen auch. Im Homeoffice wird gezoomt, telefoniert und getextet.

Und Suchtprävention ist ja auch gerade in der Krise ein Thema: Wir beantworten verstärkt telefonische Anfragen. Zum Beispiel von Eltern, die nun einen anderen Einblick in das Leben ihrer Kinder bekommen und den Cannabiskonsum der Tochter bemerken; oder die sich fragen, was sie mit dem Sohn, der immer schon viel am Computer gespielt hat und jetzt kaum mehr aus dem Zimmer kommt, tun sollen; Und wir beraten auch vermehrt Erwachsene, denen der Anstieg ihres Alkoholkonsums Sorgen bereitet. Alle diese Themen sind uns nicht neu, aber auf Grund der Maßnahmen der letzten Wochen treten sie verstärkt auf oder werden auffällig

Neben den Telefonberatungen nutzen wir die Zeit dafür, endlich Dinge zu tun, für die wir im normalen Arbeitsalltag nie Zeit fanden Wir erstellen Skripten und Berichte und haben es geschafft, mit unserem Instagram-Account online zu gehen.

Wir lernten die Vor- und Nachteile von Online-Seminaren kennen und wie bisher haben wir beschlossen, Entscheidungen über Form und Zeitpunkt von entfallenen Seminaren gemeinsam mit unseren Kund_innen zu treffen, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse so gut wie möglich einzugehen. Es ist großartig, dass digital so schnell viel möglich wurde, aber trotzdem soll die Qualität immer im Vordergrund stehen.

Wir sind also angekommen in dieser neuen Realität und obwohl wir uns gut zurechtgefunden haben, hoffen wir, dass sie nicht allzu lange dauert.

In der Suchtprävention und Früherkennung freuen wir uns schon jetzt auf einen spannenden Herbst mit vielen Seminaren und wieder vermehrt persönlichen Kontakten. Und wenn doch alles anders kommt, dann wissen wir zumindest: Auch das werden wir hinkriegen.

Lisa Wessely, Leiterin des Standorts "Suchtprävention & Früherkennung"

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