Individuelle Suchthilfe

Frequently Asked Questions

...in Klassenworkshops

#1 Was passiert genau, wenn man sich Hilfe holt und wo genau erhält man Hilfe?

Hilfe kann man sich in jeder Suchtberatungsstelle in Wien (siehe Folie mit Namen der Beratungsstellen) holen. An die Beratungsstellen können sich sowohl Personen die eine Suchtproblematik aufweisen, als auch deren Angehörige wenden. Zur Gruppe der Angehörigen zählen nicht nur Familienmitglieder, sondern auch Freunde, Mitschüler_innen, Arbeitskolleg_innen, Partner_innen, Bekannte etc.. Eine persönliche Beratung kann aus Gründen der Finanzierung (Kostenübernahme der Beratung) leider nicht anonym stattfinden, aber eine einmalige telefonische Beratung schon.

Wenn man sich als eine von Sucht betroffene Person (werden bei uns Klient_innen genannt) Hilfe holen möchte, so findet bei einem ersten Termin in der Beratungsstelle eine medizinische und eine psychosoziale Abklärung statt. Das bedeutet, dass in Gesprächen (1 medizinisches und psychosoziales) besprochen wird, welche Anliegen die jeweilige Person hat, wobei sie Hilfe benötigt und was die Person verändern möchte. Es wird anschließend gemeinsam entschieden, ob die Suchtberatungsstelle die richtige Einrichtung ist um die benötigte Unterstützung anzubieten, oder ob die Person in einer anderen Einrichtung besser betreut werden könnte. Im Bedarfsfall und in Absprache mit der Person vermitteln wir auch zu stationären Einrichtungen, in Krankenhäuser, oder in andere Beratungsstellen.

Wenn festgestellt wird, dass die Person in Betreuung in der Suchtberatungsstelle aufgenommen wird, so werden 2 fixe Betreuer_innne (eine Ärztin/ein Arzt und ein/e Sozialarbeiter_in, ein/e Psychologe/-in, oder ein/e Psychotherapeut_in ) zugewiesen. Es wird in einer Teambesprechung besprochen, welche Unterstützung die jeweilige Person braucht und danach entschieden, wer die Betreuung übernimmt. Wenn sich der oder die Betroffene auch vorstellen kann, mit diesen Personen am Problem zu arbeiten, werden Termine vereinbart. Es finden dann ca. 1 Mal pro Woche Gesprächstermine und ärztliche Termine nach Bedarf statt. Die Intensität der Betreuung hängt von der Problematik der Klient_innen ab. Manche Klient_innen kommen 2 Mal pro Woche, manche nur alle 2 Wochen zu einem Termin.

#2 Wohin kann man Betroffene verweisen?

An jede Beratungsstelle in Wien oder im jeweiligen Bundesland (nach Meldeadresse).
Da es für die betroffenen Personen oft eine große Überwindung ist sich an eine Beratungsstelle zu wenden, ist es gut, wenn man anbietet, dass man bei der ersten Kontaktaufnahme dabei ist und z.B. gemeinsam anruft und bei Bedarf noch zum ersten Termin in der Beratungsstelle begleitet.

#3 Wie arbeitet ihr in der Beratung?

Wir haben wie alle Suchthilfeeinrichtung eine sehr strenge Verschwiegenheitspflicht, welche gesetzlich geregelt ist. Dies bedeutet, dass wir keine Informationen (aus Gesprächen, aber auch nicht ob eine Person bei uns in Betreuung ist oder nicht, Termine einhält oder nicht) weitergeben dürfen.  Bei unter 18 jÄhrigen gelten ein paar Sonderregeln: da müssen wir zum Beispiel den Erziehungsberechtigen sagen, ob Termine eingehalten worden sind. Brechen wir diese Verschwiegenheit, machen wir uns als psychosoziale Betreuer_innen sogar strafbar. Informationen dürfen wir nur weitergeben, wenn die betreuten Personen dies ausdrücklich möchten und uns schriftlich von unserer Verschwiegenheitspflicht entbinden. Dies geschieht in der Regel durch eine Vereinbarung, wo ganz genau drauf steht mit wem (Personen, Beratungsstellen etc) wir uns austauschen dürfen. Bei Jugendlichen ist es etwas anders geregelt, da die Erziehungsberechtigten zustimmen müssen, wenn es um medizinische Behandlung geht. Aber auch hier geben wir keine Details aus den Beratungsgesprächen bekannt. Da unsere Klient_innen oft mit Substanzen zu tun haben, die in Österreich illegal sind, ist diese Verschwiegenheitspflicht sehr wichtig, da wir sonst keine Vertrauensbasis aufbauen könnten und die Klient_innen nicht offen mit uns über ihren Konsum und ihre Probleme sprechen könnten.
Die Verschwiegenheitspflicht setzt nur aus, wenn eine Person in der Beratung glaubhaft angibt sich selbst, oder anderen massiven Schaden zufügen möchte (z.B. Selbstmordandrohungen, oder die Androhung jemand anderen zu verletzen, zu töten etc.) In diesem Fall müssen wir die Rettung und/oder die Polizei verständigen. In der Regel informieren wir die Personen aber darüber, dass wir dies nun tun werden, da auch Transparenz in unserer Arbeit sehr wichtig ist.  Unserer Verschwiegenheitspflicht endet auch, wenn wir den Eindruck haben, dass Kinder unserer Klient_innen, die mit ihnen im Haushalt leben oder zu Besuch sind durch das Verhalten, den Konsum, oder durch Androhungen der Klient_innen gefährdet sind. In diesem Fall müssen wir die Kinder und Jugendhilfe informieren, da das Kindeswohl natürlich über unserer Verschwiegenheitspflicht steht.

Wir arbeiten außerdem noch nach dem Grundsatz der Akzeptanzorientierung.
Dies bedeutet, dass wir wann immer möglich die Klient_innen selbst bestimmen lassen, welche Veränderungswünsche sie hinsichtlich ihres Konsums haben. Klient_innen die bei uns in Betreuung sind müssen nicht abstinent werden, sondern können zB. auch als Ziel haben weniger von einer Substanz zu konsumieren, aber nicht ganz zu konsumieren aufhören wollen.
Lediglich Personen die auf Grund einer gerichtlichen Weisung (Therapie statt Strafe) oder einer Auflage von der Kinder- und Jugendhilfe zu uns kommen, können ihre Ziele in der Behandlung nicht vollkommen selbst bestimmen, sondern müssen ihre Auflagen erfüllen, da ihnen sonst eine Haftstrafe, oder die Abnahme der Kinder durch die Kinder- und Jugendhilfe drohen könnte. Hier versuchen wir natürlich unsere Klient_innen so gut wie möglich dabei zu unterstützen, dass es ihnen gelingt diese Auflagen zu erfüllen.

Wir arbeiten in der Einrichtung in der Einzelbetreuung stark ressourcenorientiert. Das heißt wir besprechen mit den Klient_innen, welche Funktion der Drogenkonsum in ihrem Leben einnimmt. Unsere Erfahrung ist, dass der Konsum meistens ein Gefühl oder einen Zustand ersetzt, den man glaubt nicht anders erreichen zu können. Wir sehen uns daher genau an, welche Ursachen hinter dem Konsum stecken. Oft sind es psychische Störungen (Depressionen, Angst, Panikattacken, Wahnvorstellungen etc.), aber auch andere Faktoren (siehe Ursachenmodell im Anhang) welche eine Rolle spielen. Wir versuchen mit den Klient_innen in vielen Gesprächen alternative Möglichkeiten mit starken Gefühlen wie Stress, Angst, Panikattacken, Unruhe, Nervosität, schlimmen Erinnerungen usw umzugehen zu erarbeiten. Es ist wichtig dabei auch immer mit unseren Ärzt_innen zu kooperieren und uns über unsere gemeinsamen Klient_innen auszutauschen. Wir nennen dies „multiprofessionelle Zusammenarbeit“, weil verschiedene Berufsgruppen zusammenarbeiten um eine Verbesserung der Lebenssituation unserer Klient_innen zu bewirken.

#4 Wie können die Schüler*innen selbst agieren, wenn sie dem Phänomen „Sucht“ in ihrem Umfeld begegnen? Wie sollen sie das ansprechen?

Grundsätzlich sind wir der Ansicht, dass es sehr wichtig ist, Menschen, die möglicherweise eine Suchterkrankung aufweisen anzusprechen. Ein frühzeitiges Ansprechen kann manchmal verhindern, dass Personen mehr und mehr in eine Abhängigkeit rutschen. Es kommt auch vor, dass die betroffenen Personen selbst noch gar kein Bewusstsein dafür entwickelt haben, dass sie möglicherweise eine Suchterkrankung haben könnten. Wichtig dabei ist, dass man die Person immer wertschätzend, mit sogenannten „Ich Botschaften“ anspricht und keine Anschuldigungen/Vermutungen zu einer Diagnose in den Raum stellt, da dies oft dazu führt, dass die betroffene Person in eine Abwehrhaltung gehen und somit ein Gespräch nur mehr schwer möglich ist. Wir raten dazu anzusprechen was einem selbst an der Person aufgefallen ist. Dies können z.B. Verhaltensänderungen, Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes, sozialer Rückzug und Vieles mehr sein. Es ist wichtig diese Dinge anzusprechen, da den betroffenen Personen häufig nicht bewusst ist, dass jemand anderem auffällt, dass er/sie sich verändert hat. Die Botschaft „ich mache mir Sorgen um dich, weil mir aufgefallen ist……..“ wäre dafür z.B. ein guter Beginn um ein Gespräch zu beginnen. In weiterer Folge kann Unterstützung angeboten werden. Man bietet z.B. an gemeinsam mit der betroffenen Person Hilfseinrichtungen zu suchen, gemeinsam anzurufen und ev. auch zu einem ersten Termin zu begleiten.
Es kann vorkommen, dass eine betroffene Person auf ein erstes Ansprechen mit Verleugnen, Widerstand oder sogar Aggression reagiert. Dies bedeutet aber nicht, dass die Person nicht hört, was gesagt wurde. Häufig kommt es vor, dass mit dem Gespräch erst ein erster Denkanstoß gegeben wurde und es zu einer Reflexion des eigenen Verhaltens, der Veränderungen und ev. auch des Konsums kommt. Möglicherweise nimmt diese Person erst später das gesetzte Hilfeangebot an und kommt wieder auf uns zu.
Genauso wichtig, wie das Angebot von Unterstützung ist aber auch, dass man dabei immer gut auf sich selbst schaut, seine eigenen Grenzen wahrt und sich auch selbst Beratung und Hilfe in Form von Angehörigenberatung holt. Ein Veränderungsprozess kann manchmal mühsam und belastend sein und viel Zeit in Anspruch nehmen.

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