Individuelle Suchthilfe

Wie viel ist zu viel? – Dialogwoche Alkohol 2023

Fragen an die Obfrau der ARGE Suchtprävention, Lisa Brunner, Leiterin des Instituts für Suchtprävention (ISP) der Sucht- und Drogenkoordination Wien gestellt von Martin Weber

-       M: Seit wann gibt es die Dialogwoche Alkohol und wer hat sie initiiert?

L: Die Österreichische ARGE Suchtvorbeugung – der Zusammenschluss aller neun Fachstellen für Suchtprä­vention in den Bundesländern – hat im Jahr 2017 die „1. Österreichische Dialogwoche Alkohol“ ins Leben gerufen und seit damals mit Unterstützung durch den Dachverband der Sozialversicherungsträger, dem Fonds Gesundes Österreich / Gesundheit Österreich GmbH und dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz bereits dreimal (2017/2019/2021) ge­meinsam umgesetzt.

2023 findet sie das vierte Mal, unter dem Motto „Wie viel ist zu viel?“, statt, heuer zum ersten Mal mittels online und Präsenz-Veranstaltungen.

-       M: Welche Ziele werden damit verfolgt?

L: Vor allem soll die sachliche Diskussion über Alkohol forciert werden. Es soll  dadurch der Informationsstand und somit die Gesundheitskompetenz im Hinblick auf Alkohol in der Bevölkerung erhöht werden: Was sind die Folgen und Auswirkungen von zu viel Alkoholkonsum etc. Gleichzeitig werden Mythen rund um das Thema Alkohol aufgeklärt. Tipps für einen verantwor­tungsvollen Alkoholkonsums werden vermittelt und Erwachsene, Eltern und Multiplikator_innen im Gesundheits-, Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbe­reich sollen in Ihrer Verantwortung als Vorbilder zu Gesprächen über Alkohol und zur Auseinandersetzung mit dem Thema motiviert und unterstützt werden. Aber auch Menschen, die wenig oder keinen Alkohol trinken, sollen bestärkt werden.

-       M: Und wie sind die unterschiedlichen Veranstaltungen im Rahmen der Dialogwoche in den letzten Jahren angekommen?

L: Die Rückmeldungen sind durchwegs gut und positiv. Die 3. Österreichischen Dialogwoche Alkohol fand 2021 statt und aufgrund der Situation rund um die Pandemie hat diese beispielsweise ausschließlich mittels online Formaten stattgefunden. Bundesweit gab es über 80 Webinare und Online-Vorträge sowie zahlreiche Webartikel, Videos und Online-Ausstellungen. Des Weiteren wurden Podcasts produziert und ein ORF Radio-Spot. 2019 gab es ausschließlich Präsenz-Veranstaltungen und da waren es sogar über 300 Events.

Wir bemerken über die Jahre hinweg, dass die Thematik im Zuge der Dialogwoche vermehrt von Medien aufgegriffen wird, was uns sehr freut. Diese Woche bietet Medien einen guten Aufhänger, über das Thema Alkohol zu berichten und sich damit auseinanderzusetzen. Die Initiative ersetzt keine Suchtprävention und keine Behandlung. Diese Arbeit und diese Angebote müssen und werden ja das ganze Jahr gesetzt und getätigt. Die Dialogwoche bringt einfach eine Woche lang das Thema vermehrt in die öffentliche Diskussion.

-       M: Ist nicht der Alkoholkonsum in der österreichischen Kultur so fest verankert, dass man da gegen Windmühlen kämpft?

L: Ich sehe es nicht als Kampf gegen etwas. Es ist vielmehr ein Aufmerksam-Machen, ein Hinweisen oder ein Anstupsen zur Reflexion und zum Nachdenken über den eigenen Konsum bzw. Alkoholkonsum generell. Eine Bewusstseinsbildung. Gesellschaftliche Normen verändern sich sehr langsam, aber ich denke, dass wir auch da mitten im Prozess oder am Weg sind.

-       M: Welche Ergebnisse oder Effekte wünschst du dir von der heurigen Dialogwoche Alkohol?

L: Ich wünsche mir gute Dialoge zu dem Thema und es wäre schön, wenn es wieder ein mediales Echo gibt und das Thema sachlich aufgegriffen wird. Toll wäre es, wenn jeder Österreicher/jede Österreicherin ein paar Tipps für sich mitnimmt, wie ein verantwortungsvoller Konsum oder Umgang mit Alkohol für einen selber aussieht, und dass jene Personen, die schon dabei sind, etwas verändern zu wollen, bestärkt werden darin oder solche, die bemerken, dass es Probleme gibt, sich Unterstützung suchen.

 

Die heurige Dialogwoche Alkohol findet von 08.-14.05 statt. Alle Infos unter: https://www.dialogwoche-alkohol.at/

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