Gemeinsam durch den Sturm
Ein Blick der Geschäftsführung auf das Jahr 2025
Es war alles gut vorbereitet. Die Übergabe der Geschäftsführungsagenden im Herbst erfolgte wie geplant, in Hinblick auf mögliche Veränderungen durch weniger Fördermittel waren im Leitungsteam unterschiedliche Szenarien erarbeitet worden, die unter dem Namen Plan B liefen. Vorerst also ließ sich das Jahr sehr gut an.
Wolfgang Kramer: Das erste Dreivierteljahr war von viel Dynamik geprägt. Wir haben zum Beispiel mit unserem Projekt „Zukunftsrat“ neue Wege beschritten und gleichzeitig bewährte Angebote wie den Spritzentausch und die Safer-Use-Angebote ausgebaut.
Sebastian Grubinger: Auch in der Suchtprävention freuten wir uns über eine hohe Nachfrage. Zu langjährigen Kund_innen kamen viele neue. Ein Highlight war der Start des praxisorientierten Lehrgangs Sucht. Insgesamt hatten wir den Eindruck: Es läuft richtig gut und die Richtung stimmt.
Doch es sollte anders kommen. Im Oktober wurde uns von der Stadt Wien mitgeteilt, dass das Budget gekürzt und der Standort Sucht und Beschäftigung geschlossen werden müsse. Zwar hatten wir mit Einschnitten gerechnet, doch diese Entwicklung war nicht absehbar gewesen.
Wolfgang Kramer: Für uns war die Nachricht ein Schock, der uns kurzfristig den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Hier ging es nicht mehr nur um Zahlen auf dem Papier, sondern um die Essenz unserer Arbeit und konkret um Mitarbeiter_innen. Kündigungen von geschätzten Kolleg_innen waren die Folge. Diese Krise im Herbst hat natürlich alles andere überschattet.
Genau in diese Phase fiel der Einstieg der neuen wirtschaftlichen Leiterin Birgit Kuntner, die sich ihren Arbeitsbeginn gewiss anders vorgestellt hatte.
Birgit Kuntner: Ich bin frisch aus der Privatwirtschaft gekommen und mein Plan war: ankommen, das Team kennenlernen und mich in die für mich neue Materie einarbeiten. Stattdessen war es eine absolute Feuertaufe. Statt strategisches Wachstum verhandelten wir plötzlich harte Sparmaßnahmen und die Schließung eines Standorts.
Tatsächlich war keine Zeit für Schockstarre, Maßnahmen mussten rasch und effizient umgesetzt werden. Hier erwiesen sich die Strukturen und die Kultur des Miteinander als hilfreich.
Birgit Kuntner: So hart mein Einstieg auch war: Ich habe sofort gesehen, wie viel Professionalität und Zusammenhalt in dieser Organisation stecken.
Wolfgang Kramer: Wir haben uns für absolute Transparenz entschieden und gegenüber den Kolleg_innen nichts beschönigt. Es wurde gesehen, dass wir um jeden Arbeitsplatz und jedes Angebot gekämpft haben. Dadurch hat das Vertrauen zwischen Leitung und Mitarbeiter_innen nicht gelitten.
Trotzdem waren die letzten Wochen des Jahres natürlich von der massiven Veränderung geprägt. Neben dem Abschied von fünf Kolleg_innen standen die konkrete Schließung des Standorts Sucht und Beschäftigung, die Vermittlung der Klient_innen sowie die Integration der verbleibenden Mitarbeiter_innen in die anderen Standorte an. Und natürlich lief die alltägliche Arbeit weiter.
Sebastian Grubinger: Innovation zeigt sich auch im Krisenmanagement. Wir mussten unter extremem Druck Wege finden, um die Kernarbeit für unsere Klient_innen unter veränderten Umständen sicherzustellen. Das haben wir geschafft.
Wie also fällt das Fazit für das Jahr 2025 aus?
Wolfgang Kramer: Das Jahr 2025 war ohne Zweifel eines der herausforderndsten in der Geschichte des Dialog.
Birgit Kuntner: Die Krise hat uns als Leitung von Anfang an zusammengeschweißt. Insgesamt haben wir die Krise bestmöglich gemeistert.
Sebastian Grubinger: Für mich hat sich gezeigt, wie resilient wir als gesamt Organisation sind. Mit diesem starken Zusammenhalt auf allen Ebenen blicken wir jetzt nach vorne.
Wolfgang Kramer