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Beyond the Line - ein ambulantes Angebot für Kokain-User_innen

Der Konsum von Kokain hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und sich mittlerweile in nahezu allen Altersgruppen und sozialen Schichten ausgebreitet. 

Parallel dazu steigt die Zahl der gesundheitlichen und psychosozialen Folgeprobleme deutlich an.

International zeigt sich, dass diese Zielgruppe nur schwer für bestehende Suchthilfeangebote erreichbar ist. Trotz oft erheblicher Problemlagen nehmen Betroffene Hilfe selten oder erst sehr spät in Anspruch. Charakteristisch sind eine hohe Abbruchquote bei begonnenen Behandlungen sowie eine ausgeprägte psychiatrische Komorbidität.

Zu den zentralen Barrieren zählen die Angst vor Stigmatisierung als „abhängig“, Berührungsängste gegenüber klassischen Suchthilfeeinrichtungen und anderen Konsument_innengruppen sowie eine ausgeprägte Ambivalenz hinsichtlich des eigenen Behandlungsbedarfs.

Gleichzeitig sind viele bestehende ambulante Angebote historisch primär an den Bedürfnissen von Opioidkonsument_innen ausgerichtet und greifen daher für diese Zielgruppe oft grade zu Beginn nicht adäquat.

Vor diesem Hintergrund wurde bereits 2008 das spezialisierte Angebot Beyond The Line entwickelt – ein niederschwelliges, anonym nutzbares Setting speziell für Kokain-User_innen.

Einmal wöchentlich wird zu einem fixen Abendtermin ein offenes Zeitfenster geboten. In diesem Rahmen erfolgen Beratung, Abklärung und Kurzzeitinterventionen durch ein multiprofessionelles Team aus Ärzt_innen, Psycholog_innen und Sozialarbeiter_innen.

Die Arbeit erfolgt in ca. 20-minütigen Einheiten. Inhalte sind unter anderem:

  • Psychoedukation zu Substanz und Suchtentwicklung
  • Erhebung und erste Bearbeitung typischer Problembereiche (insbesondere finanzielle Belastungen und Beziehungskonflikte)
  • medizinische Kurzabklärung (somatisch und psychopathologisch) zur Erkennung häufiger Begleiterkrankungen
  • bei Bedarf Einleitung akuter Maßnahmen bzw. Vermittlung in weiterführende Behandlung

Die Abklärung erstreckt sich bewusst über mehrere Kontakte, um von Beginn an Raum für konkrete, unmittelbar wirksame Interventionen zu schaffen. Ziel ist es, erste Schritte der Problemanalyse zu ermöglichen und gemeinsam kurzfristige, alltagsnahe Strategien für die kommenden Tage zu entwickeln.

Die bewusst kurz gehaltenen Interventionen tragen dazu bei, Überforderung in einer oft ambivalenten und emotional instabilen Phase zu vermeiden.

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist das separate Zeitfenster außerhalb des regulären Betriebs. Dies reduziert Hemmschwellen gegenüber anderen Konsument_innengruppen und erleichtert den Erstkontakt erheblich. Der offene Zugang ohne Terminverpflichtung trägt der häufig eingeschränkten Planbarkeit und hohen Ambivalenz der Klient_innen Rechnung.

Zusätzlich wird die Möglichkeit, das Angebot anonym zu nutzen, von vielen Betroffenen als entscheidend für die Anbahnung einer Auseinandersetzung mit der eigenen Problematik erlebt.

Die Beratungen erfolgen im Einzelsetting. Im Wartebereich stehen kurze Fragebögen zu Substanz- und Suchtanamnese zur Verfügung, die sowohl der Vorbereitung der Gespräche dienen als auch eine erste strukturierte Einschätzung ermöglichen.

In den letzten beiden Jahren konnten auf diese Weise durchschnittlich 98 Klient_innen pro Jahr erreicht werden (78 Männer, 20 Frauen). Rund 40 % nahmen zwischen zwei und vier Kontakte wahr. Etwa die Hälfte der Klient_innen nutzte das Angebot einmalig – ein Wert, der internationalen Vergleichsdaten entspricht.

Gleichzeitig zeigt sich, dass auch einmalige Kontakte wirksam sind: Das Angebot wird innerhalb der Szene weiterempfohlen und nicht selten kommen Klient_innen zu einem späteren Zeitpunkt wieder.

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Ö1 Journal Panorama | Benedikt Froschauer und Claudia Willinger | Kokain: Weißes Gift auf dem Vormarsch | 08.06.2026