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CONTRA: Social-Media-Verbot als Allheilmittel für versäumte Erziehungsaufgaben?

Wenn es um den Umgang von Jugendlichen mit neuen Medien oder unerwünschten Inhalten geht, sind die Rufe nach Verboten immer schneller da und vor allem lauter als die Stimme der Expert_innen und Betroffenen. Eltern geben sich überfordert mit der Erziehung und der Gestaltung des Alltags der Kinder & Jugendlichen durch die Konkurrenz der Smartphones, die Schulen fühlen sich nicht zuständig, lösen individuell oder führen ein flächendeckendes Handyverbot ein...

Wenn es um den Umgang von Jugendlichen mit neuen Medien oder unerwünschten Inhalten geht, sind die Rufe nach Verboten immer schneller da und vor allem lauter als die Stimme der Expert_innen und Betroffenen. Eltern geben sich überfordert mit der Erziehung und der Gestaltung des Alltags der Kinder & Jugendlichen durch die Konkurrenz der Smartphones, die Schulen fühlen sich nicht zuständig, lösen individuell oder führen ein flächendeckendes Handyverbot ein. Wovor sich allerdings die meisten Player scheuen, ist in Zusammenarbeit einen vernünftigen Umgang zu lernen und auch zu lehren – das ist zwar nachhaltig, aber natürlich deutlich aufwendiger.

Das Techbro-Problem

Viele der verantwortlichen Firmen schränken seit Jahren die Ressourcen für Moderation massiv ein, was dazu führt, dass auf einer Plattform mittlerweile auch mit Unterstützung von KI (kinder-)pornographisches bzw. Missbrauchsmaterial erstellt werden kann. Es werden nahezu auf allen Plattformen Falschinformationen und Propaganda mit autoritären oder faschistischen Inhalten in Umlauf gebracht und in Zirkulation gehalten, zumeist unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung. Des Weiteren werden immer mehr Mechanismen in die diversen Plattformen integriert, die die Nutzungsdauer und –frequenz der User_innen deutlich erhöhen. Bei diesen Punkten sehen die zuständigen staatlichen Behörden allerdings weniger Handlungsbedarf oder sind zögerlicher in ihrem Begehren. Mit diversen Multimilliarden-Dollar-Unternehmen legt man sich scheinbar weniger gern an als mit den User_innen – im Fall Social-Mediaverbot die betroffenen Jugendlichen.

Expert_innenstimmen in Zeiten des Postfaktizismus

Expert_innen weisen seit Jahren darauf hin, dass ein Ausbau des Schutzes der User_innen im Vordergrund stehen muss – sei es die Kennzeichung(spflicht) von Fake-News, das Kennzeichnen von durch Filter veränderte Bilder oder dass man nur mehr mit einer fundierten Ausbildung in den jeweiligen Themengebieten auch Ratschläge geben darf/Influencer_in sein kann. Und die drei genannten bilden nur einen Teil der Empfehlungen ab.

Hinzu kommt, dass die Entwicklung bei Jugendlichen teilweise so unterschiedlich verläuft, dass eine sinnvolle Altersbeschränkung nur ein Schätzwerk der involvierten Politiker_innen ist. Eine weitere offene Frage ist, wie dieses Verbot dann umgesetzt werden kann. Müssen die Eltern Strafen erwarten, wenn ihre Kinder ein Burnerphone mit TikTok betreiben? Auch dazu wurde sich wenig überlegt und gehofft, dass sich das Problem dann schon irgendwie von alleine regeln werde.

Abschlussnote Social-Media-Verbot: Nicht genügend

Zusammenfassend kann man sagen, dass die billigste und leichteste Lösung, nämlich ein simples Verbot, durchgesetzt werden soll, allerdings keinerlei Schritte gesetzt werden, um die Problemverursacher_innen in die Pflicht zu nehmen. Die Lobby hinter diesen Multimilliarden ist scheinbar zu mächtig (geworden). Präventionsprojekte und Bildungsmaßnahmen werden ebenfalls seit Jahren unterfinanziert bzw. eingespart und sind mit einem Verbot dann auch leichter von den Entscheidungsträger_innen wegzudiskutieren.