#Körperkult – Gefährliche Ideale
Was auf Instagram oder TikTok als „Schnappschuss“ erscheint, ist oft das Ergebnis professioneller Inszenierung. Echtzeit-Filter und Bildbearbeitung lassen Poren verschwinden und Proportionen schrumpfen. Das Problem: Jugendliche vergleichen ihr reales Spiegelbild mit diesen digitalen Konstrukten. Algorithmen verstärken dies zusätzlich – wer einmal nach Fitness-Content sucht, landet schnell in einer Filterblase mit Optimierungswahn.
Letztens leitete ich einen suchtpräventiven Workshop mit Lehrlingen. Es war eine sehr angenehme Gruppe von Burschen, die sehr offen über ihre Ansichten sprachen. Als wir schließlich beim Thema Steroide landeten und deren Gefahrenpotenzial besprochen hatten, meldete sich einer der Lehrlinge zu Wort: Marco, 19, gutaussehend, gepflegt, trainiert. Er meinte, er wolle in ca. zwei Jahren Steroide konsumieren. Auf die Frage warum? – nachdem wir über Risiken und verzerrte Motive gesprochen haben – meinte er nur: „Ich hasse meinen Körper, ich finde mich hässlich.“
Marco ist nur einer von vielen, die unzufrieden mit ihrem Aussehen sind. Laut einer Studie - veröffentlicht von saferinterne.at - würden über die Hälfte (51 %) der Jugendlichen gerne etwas an ihrem Körper ändern, bei den Mädchen sind es sogar 60 Prozent. In der Pubertät ist die Suche nach Vorbildern ganz normal. Doch heute findet diese Orientierung primär in sozialen Netzwerken statt – und dort regiert oft eine verzerrte Realität. Was Jugendliche, Eltern bzw. Erziehende über den digitalen Schönheitsdruck wissen sollten:
#Algorithmen - Die Macht der Algorithmen & Filter
Was auf Instagram oder TikTok als „Schnappschuss“ erscheint, ist oft das Ergebnis professioneller Inszenierung. Echtzeit-Filter und Bildbearbeitung lassen Poren verschwinden und Proportionen schrumpfen. Das Problem: Jugendliche vergleichen ihr reales Spiegelbild mit diesen digitalen Konstrukten. Algorithmen verstärken dies zusätzlich – wer einmal nach Fitness-Content sucht, landet schnell in einer Filterblase mit Optimierungswahn.
#Trends - Gefährliche Trends & dunkle Ecken
Extreme Challenges: Hashtags wie #ThighGap oder #SkinnyGirl verherrlichen riskante Schlankheitsideale. Problematische Communitys: In sogenannten „Pro-Ana“-Gruppen werden Essstörungen als erstrebenswerter Lifestyle getarnt. Risiko Cybergrooming: Vorsicht vor selbsternannten „Mager-Coaches“. Hinter dem Vorwand der Hilfe stecken oft pädokriminelle Absichten, die Jugendliche mit Nacktfotos erpressen.
Es gibt Hoffnung: Die Body-Positivity-Bewegung (#fürmehrrealitätaufinstagram) setzt auf Natürlichkeit und Selbstakzeptanz. Um die Medienkompetenz zu stärken, hilft oft schon ein bewusster „Digital Detox“ oder das gezielte Interagieren mit diversen Körperbildern, um den Algorithmus umzutrainieren.
#Hilfe - Wer hilft Jugendlichen im Beauty-Dschungel?
Der Druck durch perfekte Online-Bilder wächst, doch wer trägt eigentlich die Verantwortung? Eine aktuelle Befragung zeigt: Wir alle sind gefragt, junge Menschen vor unrealistischen Schönheitsidealen zu schützen.[1]
Wer steht in der Pflicht?
Eltern als Anker: Über die Hälfte der Befragten (57 %) sieht die Eltern in der Hauptverantwortung. Das Problem: Viele Eltern bzw. Erziehende fühlen sich in der digitalen Welt selbst unsicher.
Schulen als Brückenbauer: Fast jede_r Zweite wünscht sich die Schule als Aufklärungsort. Sie soll nicht nur Schüler_innen stärken, sondern auch Eltern mit gezieltem Infomaterial unterstützen.
Plattformen & Transparenz: Die Forderung an die Technik-Riesen ist klar: mehr Verantwortung und auch Kennzeichnungspflicht für bearbeitete Fotos. Satte 63 % der Jugendlichen wünschen sich diesen „Echtheits-Stempel“.
Das Fazit: Medienkompetenz ist Teamarbeit. Nur wenn Schulen, Eltern und Plattformen an einem Strang ziehen, können wir Jugendlichen helfen, ein gesundes Selbstbild abseits von Filtern und KI zu entwickeln.
Begleiten Sie Jugendliche kritisch bei der Mediennutzung. Sprechen Sie offen darüber, dass „perfekte“ Bilder oft nur ein Geschäftsmodell sind – kein Maßstab für die Realität.
Quellen und weitere Infos:
- Saferinternet.at
- Schau-hin.info
[1]Die Studie „Schönheitsideale im Internet“ wurde vom Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung im Auftrag des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der ISPA – Internet Service Providers Austria im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet.at durchgeführt. Im Befragungszeitraum (Dezember 2023) nahmen 400 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren teil, repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bildungshintergrund. Zusätzlich wurden vier Fokusgruppen-Gespräche mit insgesamt 56 Jugendlichen zwischen 13 und 19 Jahren durchgeführt. Quelle: https://www.saferinternet.at/news-detail/neue-studie-schoenheitsideale-im-internet, Stand: 20.03.2026