„Lichter an, bevor's aus ist“ – Konsumtrends Jugendlicher auf Social Media
Medial wurde es bereits vielfach aufgegriffen: Junge Menschen trinken weniger Alkohol. Der regelmäßige Alkoholkonsum bei den 12- bis 17-Jährigen ist in den letzten zwei Jahrzehnten stark gesunken und liegt laut den Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2024 bei etwa 9 Prozent. Im Vergleich zu den über 20 Prozent Anfang der 2000er Jahre ist das ein historischer Tiefstand. Die Generation Z scheint dem Alkohol also immer öfter den Rücken zu kehren, doch über Social Media und Musik wird oft ein ganz anderes Bild vermittelt.
Medial wurde es bereits vielfach aufgegriffen: Junge Menschen trinken weniger Alkohol. Der regelmäßige Alkoholkonsum bei den 12- bis 17-Jährigen ist in den letzten zwei Jahrzehnten stark gesunken und liegt laut den Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2024 bei etwa 9 Prozent. Im Vergleich zu den über 20 Prozent Anfang der 2000er Jahre ist das ein historischer Tiefstand. Die Generation Z scheint dem Alkohol also immer öfter den Rücken zu kehren, doch über Social Media und Musik wird oft ein ganz anderes Bild vermittelt.
Häufig geschieht das mit viel Humor, fast schon zynisch werden eigene Konsumgewohnheiten und die der Freund_innen reflektiert. Auf anderen Accounts wiederum reden junge Menschen darüber, wie viel sie früher konsumiert haben und warum sie jetzt einen cleanen Lebensstil wählen. Wieder andere verteufeln jeglichen Substanzkonsum und kippen mit einer besorgniserregenden Intensität in andere Gewohnheiten, Hauptsache es dient der Selbstoptimierung.
Auch in der Musik, die gerade auch auf Social Media viel verwendet wird, finden sich diese Themen wieder. In „Galopp!“ von Bibiza und Ikkimel geht es um Ketamin. In Songs wie „Shabab(es) im VIP“ von Pasha oder „Powerade“ von BHZ wird der Substanzkonsum sehr entspannt dargestellt. Hier geht es um Spaß und das Zusammenfinden im gemeinsamen Erleben von Rausch. Doch viele Lieder zeigen auch eine andere, nachdenklichere Seite. Da geht es dann um Selbstmedikation oder den Versuch, mit innerem Druck umzugehen. Makko beschreibt in seinem Song „Lichter aus“ eindrücklich, wie es sich anfühlt, wenn man sich Sorgen um Freunde macht, die zu viel auf eine selbstverletzende Art konsumieren. Wieder andere wie Chase Atlantic lassen Drogen in Songs wie „Consume“ im Hintergrund vorkommen, ohne dass diesen eine große inhaltliche Bedeutung zukommt. Die Substanzen sind dort einfach Teil der Ästhetik.
In unseren Workshops mit Jugendlichen reden wir daher nicht nur über diese unterschiedlichen Konsummotive, sondern auch über die so vermittelte scheinbare Allgegenwärtigkeit von Drogenkonsum. Dabei wird rasch klar, dass es Diskrepanzen zwischen der Lebensrealität und dieser medialen Präsenz gibt. Durch die ständige Thematisierung in Musik und auf Social Media entsteht bei vielen Jugendlichen der Eindruck, dass fast alle in ihrem Alter konsumieren würden. Unsere anonymen Umfragen in den Klassen zeigen jedoch fast immer das Gegenteil. Nur ein kleiner Teil der Jugendlichen hat tatsächlich schon Erfahrungen mit anderen Substanzen als Alkohol gemacht.
Das wichtigste Ziel unserer Arbeit ist es, über all das im Gespräch zu bleiben, und zwar mit allen Jugendlichen, die in unseren Workshops sitzen. Das gilt für die, die konsumieren, genauso wie für jene, die nicht konsumieren wollen. Wichtig ist es, das Thema besprechbar zu machen und die Akzeptanz auch untereinander zu erhöhen. Drogenkonsum ist für manche Jugendliche einwichtiger Entwicklungsschritt, für andere wird es immer uninteressant bleiben. Niemand soll in dieser Phase jedoch in eine Ecke gedrängt oder allein gelassen werden, weder von den Peers noch von den erwachsenen Bezugspersonen im Leben der Jugendlichen.