Zukunftsrat im Dialog - Ein Modell für die Zukunft?
Mit finanzieller Unterstützung der Thoolen Stiftung etablierte der Dialog 2025 eine neue Methode: den Zukunftsrat. Dieses strukturierte, demokratische Treffen von Betroffenen und ihrem Umfeld zielt darauf ab, Probleme gemeinsam zu lösen und den Alltag zu organisieren. Während der Ansatz in der Kinder-, Jugend- und Straffälligenhilfe bereits etabliert ist, stellt er im Suchtbereich ein Novum dar.
Die Methode erfordert ein Umdenken: weg von der rein individuumsorientierten Betreuung hin zum verstärkten Einbezug des sozialen Umfelds. Um das Team dafür zu qualifizieren, entwickelte der Dialog gemeinsam mit der FH St.Pölten eine Inhouse-Schulung. Mittlerweile verfügt die Einrichtung über einen Pool an Mitarbeiter_innen, die in der Vorbereitung und der zentralen „Sorgeformulierung“ geschult sind. Dieser offizielle, aber persönlich formulierte Brief an die Klient_innen benennt Ressourcen sowie Sorgen und definiert die Fragestellung für das Netzwerk.
Zusätzliche Impulse lieferte ein Fachforum mit dem Verein Neustart, der das ähnliche Konzept der „Sozialnetzkonferenz“ erfolgreich in der Haftentlassenenhilfe einsetzt.
Fallgeschichten aus der Praxis
Eingehende Anfragen werden von den Zukunftsrät_innen genau geprüft. Oft zeigt sich in der Reflexion, dass andere Interventionsformen im Moment zielführender sind. Dennoch verdeutlichen konkrete Fallbesprechungen das breite Spektrum und die komplexen Lebensrealitäten der Klient_innen:
Hindernisbewältigung für Therapien: Ein geplanter Rat sollte die Betreuung des Hundes eines Klienten während dessen stationärer Therapie sichern. Obwohl das Tier vorzeitig verstarb, zeigt der Fall ein zentrales Thema: Die Sorge um Angehörige oder Haustiere ist oft ein Therapiehindernis, bei dem der Zukunftsrat ansetzen kann. In einem anderen Fall motivierten die Vorgespräche einen Klienten, die Betreuung der Wohnung während der Therapiezeit selbstständig mit den Nachbar_innen zu klären.
Tagesstruktur & Prioritäten: Bei zwei Klienten sollte das Umfeld bei der Suche nach Beschäftigung eingebunden werden. Diese Räte ruhen jedoch aktuell, da andere Themen wie Schuldenregulierung Vorrang haben.
Angehörigenarbeit & Autonomie: Bei einem jungen Mann, dessen Familie sich stark in die Betreuung einmischt, soll der Zukunftsrat klären, in welchen Bereichen er autonom agieren möchte und wo er familiäre Hilfe annimmt. Eine besorgte Mutter wiederum erhofft sich durch die Methode Entlastung für ihren überforderten Sohn bei der Haushalts- und Kinderversorgung.
Kinderbetreuung: Ein Vater muss eine stationäre Therapie absolvieren. Der Zukunftsrat soll die Betreuung der Tochter organisieren – erschwert wird dies allerdings durch bestehende Konflikte im sozialen Umfeld.
Verselbstständigung: Ein junger Mann möchte Wege aus der Einsamkeit finden, seinen Konsum kontrollieren und eine eigene Wohnung beziehen. Er erlebt Familienmitglieder als Ressource und möchte mit ihnen im Rat einen konkreten Plan dafür entwickeln.
Der Prozess hat gezeigt, dass die Etablierung einer neuen Methode Zeit und Umgewöhnung braucht. Die gewonnenen Inputs und neuen Erfahrungen sind jedenfalls eine Bereicherung für die Arbeit in der Suchthilfe. An dieser Stelle sprechen wir einen großen Dank an alle engagierten Kolleg_innen aus, die den Zukunftsrat im Dialog auf den Wege gebracht haben und weiter am Laufen halten.