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Die Gretchenfrage Cannabis: Legalisieren – entkriminalisieren – regulieren

Egal ob Führungskräfte, Schüler_innen oder Betreuer_innen: Die Legalisierung von Cannabis interessiert, Für und Wider werden diskutiert und dabei viele Argumente vorgebracht, die oft mehr von einer persönlichen Haltung zeugen als von einer tiefergehenden Auseinandersetzung. Wir versuchen wie immer in der Prävention, Informationen zu geben und die Fragenden zu ermutigen, sich eine Meinung auf Basis von Fakten zu bilden. Gleichzeitig jedoch beantworten wir auch die Frage nach der Haltung des Dialog, die in einem eigenen Positionspapier festgehalten wird.

Vorab gilt es, Begrifflichkeiten zu klären: Während Legalisierung die Aufhebung eines Verbots (mit Einschränkungen) bedeutet, bleibt bei einer Entkriminalisierung das Verbot aufrecht, der Tatbestand wird jedoch nicht mehr strafrechtlich geahndet. Regulierung bedeutet das Aufstellen von Regeln, bei deren Zuwiderhandeln auch strafrechtliche Konsequenzen möglich sind.

Der Dialog sieht in einer regulierten Abgabe mehrere Vorteile: Dass Cannabis von vielen Menschen konsumiert wird, ist eine Tatsache, viele der Konsument_innen gebrauchen die Substanz jedoch unproblematisch. Trotzdem müssen sie sich Cannabis auf illegalem Weg beschaffen. Zudem besteht die Gefahr, dass sie auf dem Schwarzmarkt mit anderen Substanzen in Kontakt kommen. Was gekauft wird, bleibt ebenfalls unkontrolliert. So sehen wir in unseren Ambulatorien Menschen, die etwa durch einen hohen THC-Gehalt psychotische Ereignisse durchleben oder ungewollt synthetisches Cannabis konsumieren

Mit einer Regulierung könnten gesundheitsbezogene und präventive Maßnahmen besser umgesetzt werden. Die Substanz könnte ebenso kontrolliert werden wie die Abgabe, etwa durch das Einziehen einer Altersgrenze. Insgesamt würde sich die Sicherheit für Konsumierende, aber auch für die Allgemeinheit erhöhen. Eine staatliche Regulierung böte auch die Möglichkeit, Steuern einzuheben.

Natürlich sind dabei auch Verbote inkludiert, etwa der Konsum an bestimmten Orten oder beim Lenken eines Fahrzeugs. Auch ein Werbeverbot erscheint angebracht. Um hier sinnvolle Regeln zu finden, besteht der Wunsch, mit Expert_innen ein Modell zu erarbeiten, das regelmäßig evaluiert und adaptiert wird.

Gleichzeitig braucht es verstärkte Prävention, die nicht nur auf Cannabis abzielt, sondern frühzeitig zur Reflexion des Konsums anregt und auf eine Stärkung der Lebens- und Risikokompetenz abzielt. Auch Behandlungs- und Betreuungsangebote müssten an veränderte Bedürfnisse von Konsument_innen angepasst werden (siehe auch Artikel zur Studie aus Deutschland).

Der Dialog bezieht diese Position auf Grund der fachlichen Expertise, aber auch auf Grund der Erfahrungen aus der Klient_innenarbeit. Wie bei anderen „erlaubten“ Substanzen (Alkohol) wird es auch bei Cannabis Menschen geben, denen der Konsum Probleme bereitet. Doch eine große Gruppe von Konsumierenden würde von einer Regulierung profitieren. Für die Umsetzung dieses Vorschlages braucht es jedoch eine fachlich-sachliche Diskussion / Information und politischen Mut.